55. Wie berichtige ich online und in Archiven?

Der Grundsatz – Eine Berichtigung ist – in geeigneter Form – im gleichen Medium/Vertriebskanal zu veröffentlichen wie der ursprüngliche Bericht. Sofern bei Online-Medien nicht direkt im Bericht korrigiert wird, ist die Wirksamkeit einer Berichtigung zumindest durch Verknüpfung zwischen Hauptartikel und Richtigstellung zu gewährleisten.

 

Die Regeln
Kodex Pflicht 5 – Berichtigung.
Journalisten berichtigen jede von ihnen veröffentlichte ganz oder teilweise falsche Meldung.


Richtlinie 5.1 – Berichtigungspflicht.
Medienschaffende berichtigen Falschmeldungen unverzüglich. Zu berichtigen sind Fakten, nicht aber Werturteile.


Beispiele
Online-Berichtigung (46/2001). Gestützt auf einen gerichtlichen Vergleich brachte die «Weltwoche» eine Gegendarstellung in ihrer Printausgabe. Der Autor der Gegendarstellung beanstandete daraufhin, die Zeitung habe den Hauptartikel auch online veröffentlicht, nicht aber die Gegendarstellung. Die «Weltwoche» wandte ein, die konsequente Verknüpfung von Berichtigungen und Gegendarstellungen mit dem ursprünglichen Bericht wäre zwar wünschenswert, sei aber praktisch nicht ohne Weiteres durchführbar. Demgegenüber beharrte der Presserat darauf, eine Berichtigung oder Gegendarstellung zu einem Artikel in der Printausgabe sei jedenfalls dann auch online zu publizieren, wenn auch der Hauptartikel online veröffentlicht wird. Generell empfahl er den Redaktionen, bei der Online-Publikation den Ursprungsartikel mit Berichtigung oder Gegendarstellung durch Hyperlinks zu verbinden, zumindest aber durch eine Beschlagwortung sicherzustellen, dass bei späteren Recherchen möglichst beide Quellen gemeinsam gefunden werden.


SMD muss Vermerk verlinken (Urteil Amtsgericht Luzern-Land vom 26. 11. 2010). Ende 2010 hat ein Gericht die Schweizerische Mediendatenbank (SMD) gestützt aufs Datenschutzgesetz erstmals gezwungen, einen 2008 publizierten Artikel mit einem nachträglichen Vermerk zu versehen. Mehrere Medien hatten seinerzeit zutreffend berichtet, einer öffentlich bekannten Person drohe ein Strafverfahren. Da ein Gutachten den Prominenten entlastete, leitete der Staatsanwalt dann doch kein Verfahren ein; das aber meldete nur noch eine Lokalzeitung. Da die Entlastung in der SMD nicht ersichtlich war, klagte der Betroffene erfolgreich, das Archiv sei zu verpflichten, die ursprünglichen Texte mit einem Vermerk zu ergänzen. Das Gericht argumentierte: Die Meldungen in der SMD seien zwar zur Zeit ihres Erscheinens richtig gewesen, heute aber seien sie es nicht mehr («Richtigkeit in der Zeit»). Das Anbringen des Vermerks belaste die SMD «nicht übermässig». Das Gericht befahl und formulierte die Ergänzung in zwei Sätzen.


Das «Recht auf Vergessen» vergessen? (29/2011). Für den Presserat gilt das «Recht auf Vergessen» auch für Online-Medien und digitale Archive. Redaktionen sollten bei Gesuchen auf nachträgliche Anonymisierung oder Aktualisierung eines digital archivierten Medienberichts ausgehend vom Verhältnismässigkeitsprinzip sorgfältig prüfen, ob ein identifizierender Bericht aus heutiger Sicht die Persönlichkeit des Betroffenen verletzt sowie, ob der Betroffene glaubhaft macht, dass ihm aus der Identifizierung oder mangelnden Aufdatierung ein aktueller, gewichtiger Nachteil droht. Nicht zuzumuten sei den Journalisten hingegen, im Internet frei zugängliche archivierte Artikel regelmässig daraufhin zu durchforsten, ob identifizierendes Berichten aus heutiger Sicht nach wie vor gerechtfertigt ist oder ob aufgrund veränderter Verhältnisse ausnahmsweise eine Aktualisierung angebracht wäre. Medienschaffende sollten aber ihre Quellen gerade bei Internet- und Archivrecherchen kritisch überprüfen und sich Informationen von mehreren Seiten bestätigen lassen.

 

Checkliste

Auf welchen Plattformen ist der Ursprungsartikel erschienen?
Ist die Verknüpfung zwischen Ursprungsartikel und Berichtigung/
Gegendarstellung durchgehend gewährleistet?

 

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